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- Nr. 74 Freitag, 28.

März 2008 5
Die Schauspielerin Verena Buratti in 3-D-Film zu sehen

Auf in die nächste Dimension


ie war sehr aufgeregt, als sie „Darüber darf ich nicht spre-
S das Angebot erhielt, in ei-
nem 3-D-Film mitzuspielen,
chen“, sagt sie, so geheim seien
diese Pläne noch. Was sie sagen
hat aber das Wagnis gemeistert: kann, ist dass der Film viel-
Die Bozner Schauspielerin Ve- leicht bald auch in Südtirol zu
rena Buratti spielt in „Delu- sehen sein wird.
sions 3D“ eine Hauptrolle. Gedreht wurde der Film von
Die 38. Rauriser Literaturtage haben begonnen Die Arbeit an der Rolle und den Münchner Filmemachern
das Spiel sind dieselben, ob Alaric und Jèròme Hamacher;
Ein Blick in Zwischenwelten man in herkömmlichen Filmen
spielt oder in 3D-Filmen, er-
sie vereinen mit ihrer, in ste-
reoskopischen 3D produzierten
wischen den Worten – zwi- klärt die Schauspielerin im Ge-
Z schen den Welten“, das ist
das Motto der Rauriser Litera-
spräch. „Anstatt einer kleinen
Anspiegelung gibt es eine
Parodie innovative Technik
und eine spannungsgeladene
Story. Für Verena Buratti war
turtage 2008. Zum 38. Mal tref- größere Leinwand und zwei die Arbeit an diesem 3D Spiel-
fen sich in diesen Tagen bedeu- Kameras drehen gleichzeitig“, film unter der Regie von Chri-
tende Autoren und ihr Publi- sagt sie. Für das Spiel bedeutet stina Kinne, die auch für das
kum in der Salzburger Gemein- das nichts, „man muss in der Drehbuch zeichnet, eine spe-
de zu Lesungen, Gesprächen Rolle sein und die Rolle be- zielle Herausforderung.
über Kindheit und literarischen seelen, in diesem Sinn gibt es
Der neue 3D Kurzspielfilm
Sonderprojekten. Die Preise keinen Unterschied“, sagt sie.
„Delusions 3D“ feiert heute
und Auszeichnungen der Rau- Faszinierend sei aber die Tat-
sache, dass man beim Anschau- seine Premiere. im Neuen Fo-
riser Literaturtage gehen heuer rum am Deutschen Museum in
an zwei Frauen. Den Literatur- en das Gefühl habe, sich ge-
genüberzustehen. die Abstände München.
preis 2008 bekommt die
seien minimal. „Man hat das Und noch bevor der Film
Schweizer Autorin, Opernsän- Premiere hatte, wurde er be-
gerin und Journalistin Simona Gefühl mittendrin zu sein.
In der James-Bond-Parodie reits ausgezeichnet: Die Initia-
Ryser (Bild) für ihren laut Basler tive „Deutschland-Land der
Zeitung „federleichten, klugen ist Verena Buratti als Verlobte
des „James Bond“ zu sehen. Ideen“ würdigt die innovative
und virtuosen“ Debütroman punkt der Rauriser Literaturta- Art der Filmproduktion: Vir-
„Maries Gespenster“. Der Rau- ge 2008 ist der Türkei gewidmet. „Hinter dem weißen Kleid ver- Die Schau-
bergen sich viele Facetten der tual Experience ist als „Aus-
riser Förderpreis geht an die Der starke Osteuropa-Block spielerin gewählter Ort 2008“ im Land
Oberösterreicherin Margarita wird von Ilma Rakusa ange- Braut“, deutet sie geheimnis- Verena
voll an. Ein Geheimnis macht der Ideen gekürt worden.
Fuchs für ihre bisher unveröf- führt. Drago Jancar liest ebenso Buratti
fentlichte Prosa. Literaten, wie wie die Ungarin Terezia Mora, sie auch aus ihren Plänen: Foto: Buratti (bea)
Vladimir Vertlib, Michael Sta- die Koreanerin Hoo Nam Seel-
varic, Asli Erdogan, Drago Jan- mann oder Galsan Tschinag aus Ausstellung zum 70. Geburtstag von Herbert Achternbusch in München
car, der Mongole Galsan Tschi- der Mongolei, der über die ge-
nag oder Wladimir Kaminer er- heimnisvolle Welt der zentral-
wartet. All diesen Autoren ge-
meinsam ist Flucht in andere
Welten und das Schreiben in ei-
ner neuen Sprache, dem Deut-
asiatischen Nomadenvölker
auf Deutsch schreibt, weil die
Nomaden keine Schrift haben
und Chinesisch als Sprache der
„Das Ich ist ein wildes Tier“
in bayerischer Universal- lichem Namen Herbert Schild ein roter Faden durch das Werk ternbuschs schriftlichen „Vor-
schen. Anders der 1939 aus
Wien geflohene Herbert Kuh-
Unterdrücker gilt. Arabien-
Experte Stefan Weidner, Ilija
E künstler ist er: Theater- und
Hörspielautor, Romanschrift-
heißt, nach einem – abgebro-
chenen – Pädagogikstudium
des unkonventionellen Künst-
lers. In seinen – häufig auto-
lass“ erworben hat, eine ab-
wechslungsreiche Ausstellung
ner. Kuhner hat die englische Trojanow, sowie Wladimir Ka- steller, Dichter, Schauspieler, mit der Bildhauerei. Erst in den biographisch angehauchten – zu arrangieren: Fotos, Briefe,
Sprache angenommen, „aus miner, werden die 38. Rauriser Regisseur, Filmemacher, Maler, späten 60er-Jahren des vergan- Romanen, etwa „Die Alexan- Skizzen, Aquarelle, Manu- und
Protest gegen das Vertrie- Literaturtage beschließen. Zeichner, Bildhauer, Objekt- genen Jahrhunderts gelang ihm derschlacht“ (1971) oder „Land Typoskripte, Collagen (bei-
ben-Werden“. Ein Schwer- Foto: Rauriser Literaturtage künstler und ein bajuwarisches der Durchbruch mit herrlich in Sicht“ (1977), gibt es „keinen spielsweise künstlerisch ver-
Original dazu, so liebenswert schrillen und grotesken Filmen, Unterschied mehr zwischen zierte Reclam-Hefte) und selbst
versponnen in seinen Gedan- die wegen ihrer Skurrilität Prosa und Poesie“, wie Hein- gebastelte Objekte. Dazu in ei-
Wien Museum zeigt Reste der alten Hauptstadt ken, Schriften und all den an- Kultcharakter genießen: Ob rich Böll feststellte, sondern nem kleinen Kämmerlein die
deren Arbeiten wie Karl Va- „Das Andechser Gefühl“ (mit nur noch „eine zerfetzte Welt“. wichtigsten Werke auf Zellu-
Steinerne Zeugen lentin. „Schön wär’s, wenn’s
schöner wär’“ oder „Du hast
traurigen Reminiszenzen an
sein Lehrerstudium), „Der
Nach 26 Filmen, rund 20
Theaterstücken und mehr als
loid. Für Freunde und Kenner
ist hier unter dem Achtern-
keine Chance, aber nutze sie“ Bierkampf“ (in dem er seine 40 Prosa- und Gedichtbänden busch-Motto „Das Ich ist ein
lauten zwei seiner sinnigen Erlebnisse als Zigarettenver- ist es nun ruhiger um dieses wildes Tier“ der Kosmos dieses
Sprüche, die im Zitatenschatz käufer auf dem Münchner Ok- „weißblaue enfant terrible“ ge- unorthodox-genialischen
Eingang gefunden haben. toberfest einfließen ließ) oder worden, das abwechselnd in „Malschreibfilmers“ in großer
Angefangen hat der 1938 in „Servus Bayern“, das Aufbe- der bayerischen Landeshaupt- Fülle ausgebreitet: Eine hüb-
München geborene, bei seiner gehren gegen Obrigkeiten und stadt und im österreichischen sche Hommage als Vorgriff auf
Großmutter im Bayerischen gesellschaftliche Normen, die Mühlviertel lebt. Grund genug den 70. Geburtstag im Novem-
Wald aufgewachsene Herbert urbayerische Lust am subver- für das Münchner Literaturar- ber. Hannes S. M a c h e r
Achternbusch, der mit bürger- siven Granteln zieht sich wie chiv „Monacensia“, das Ach- bis 11. April

Osterfestspiele Salzburg: Anne-Sophie Mutter spielt Beethovens Violinkonzert

Von Seelenwelten und Monumenten


anz im Zeichen des sich
G nahenden hundertsten Ge-
burtstags des Giganten Herbert
von Karajan spielen die Ber-
liner Philharmoniker unter
Seiji Ozawa die 10. Symphonie
von Dimitri Schostakowitsch,
während Anne-Sophie Mutter
mit einer eigenwilligen, aber
ereignisdichten Interpretation
ie Reste des alten Wiens fin- bekrönten einst eine Figuren-
D den sich im Lainzer Tier-
garten: In der dortigen Depen-
gruppe auf dem 1929 abgebro-
chenen Bürgerversorgungs-
des Violinkonzertes von Lud-
wig van Beethoven dieses Ge-
denkkonzert zum Juwel wer-
dance des Wien Museums, der haus am Alsergrund, die statt- den lässt.
Hermesvilla, ist die Schau liche sechs Meter Körpergröße
„Steinerne Zeugen“ geöffnet. erreichte. Neben den geschich- Mutter ist gestalterisch und
Für diese wurden rund 90 or- tenerzählenden Objekten, fin- technisch eine Geigerin der
namentale Figuren, Wappen den sich aber auch Exponate in Sonderklasse, die mit klangli-
und Inschriften restauriert, die der Schau, deren Herkunft chem Zauber Seelenwelten er-
sich an jenen Wiener Bauten nach wie vor ungeklärt ist. So weckt, wie es selten gelingt. Sie
fanden, die nicht mehr existie- gibt die gerettete Inschrift "Zur spielt bei phänomenaler Into-
ren. Sie stellen einen "Bruchteil" schönen Sklavinn" eines Hau- nation eine wundervoll kontra-
der rund 500 Teile fassenden ses aus Mariahilf immer noch stierende Dynamik, wo beson-
Sammlung des Wien Museums Rätsel auf. Gegliedert ist die ders die Pianostellen wie das
dar. Das älteste Objekt, die go- Ausstellung nach den Themen- Erwachen aus einem Traum
tische Brüstung eines Baus am gruppen abgebrochener Bür- vorüberziehen, um sich dann
Fleischmarkt, ist auf 1457 da- gerhäuser, Adelspaläste, Öf- emphatisch einzuprägen. Der
tiert. Sie wurde für die Schau fentlicher Bauten und Sakral- tonale Aufbau ist ein selbst-
nach Jahrzehnten das erste Mal bauten. Im Bild „Vindobona“, vergessener Monolog, der wie
wieder zusammengesetzt. Die die Armut aufnehmend“ vom ein glänzender Silberfaden das
beiden jüngsten Exponate sind Buergerversorgungshaus in der Werk durchzieht und dazu Anne-Sophie Mutter zaubert wunderbare Klänge. Foto: © Harald Hoffmann / Deutsche Grammophon
die größten: Der Kopf einer Vin- Alservorstadt (um 1860) kommt ja noch, dass Mutter, die
dobona und eines alten Mannes im wundervollen Kleid wie eine
Zaubernixe aussieht, die Ka- zum Soloinstrument ist, habe trinären Realismus endlich das Programmatische mit rasselnd
stammen aus dem Jahr 1860. Sie bis 11. Jänner 2009 ich das noch niemals gehört. Illustrative verschwand. Das intensiver Spielweise so über-
denzen traumhaft geigt, so vir-
tuos, dass der Atem stockt. Es ist ein Triumph im Grenz- rasend Brutale dieser mir noch holt, dass der Hörer ein Ein-
Kulturnotizen Dazu kommt auch die völlig
bereich der Empfindungen immer fremd klingenden Musik
sprengt zuweilen die Tonalität
zigerleben von inspiriertem Be-
wegungssinn hat, der jenseits
auch dann, wenn Ozawa mit
symphonische Wertschätzung und erinnert verzerrt an Mus- von Klage und Makabrem zu
Der amerikanische Schauspieler Richard Wid- den Berlinern die monumentale
durch das Orchester, das Ozawa sorgskij, der das russische einer Symbiose der Voll-
mark ist tot. Der Westernheld und Charakterdar- Klangwelt von Schostako-
steller wurde 93 Jahre alt. Als sadistischer Mörder dem dominierenden Miteinan- Volksdrama anklagend mit kommenheit reift, die berline-
witsch so interpretiert, dass aus
hatte er 1947 im Thriller „Der Todeskuss“ sein der gegenüberstellt. wunderbaren Reminiszenzen risch nur durch Karajan selbst
dem Extremen der Düsternis
Leinwanddebüt gegeben und sich über Nacht zu So wundervoll verbindendes und der Wahnvorstellungen ei- zum nationalen Epos erhob. in seiner grandiosen Einspie-
Hollywoods Star-Bösewicht hochgespielt. Weite- Hören durch die elementar ne Anklage an die Menschlich- Mit großflächigen Span- lung zu hören ist, den Ozawa
re Paraderollen hatte Widmark in den Western rhythmischen Motive, so span- keit entsteht, die mit orgiasti- nungsschichten lässt Ozawa mit einem Fingerzeig aus dem
„Der Garten des Bösen“ (1954), „Das Urteil von nungsreich wie das Pauken- schen Verzerrungen an die fin- das Fabelhafte der Musik in Jenseits zu holen scheint, was
Nürnberg“ (1961), „Mord im Orient-Express“ signal und die daraus folgende stere Welt der Nachkriegzeit er- einer helleren Zukunft erklin- Witwe Eliette bei rauschenden
(1974) und 1987 in Volker Schlöndorffs Gesell- Melodie in den verschiedensten innert, wo nach dem gesell- gen, die sich verwandt an Mah- Ovationen entgegennimmt.
schaftsdrama „Ein Aufstand alter Männer“ F.: epa Stimmen in ständiger Präsenz schaftlich Willigen des dok- ler orientiert und eben alles C. F. P i c h l e r