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Lieber

Danke fu ̈r den Brief; ich hatte schon angefangen, mir viele Sorgen um Dich zu machen. Leider lastet Deine Vergangenheit schwer auf Dir, aber ich bin froh, daß Du das wenigstens einsiehst, und ich verurteile Dich deswegen auch nicht. Der Mensch ist so schwach und die Su ̈nde in Seele und Körper so stark (und die Dämonen verbeißen sich derart in den, der ihrer Gewalt zu entrinnen versucht), daß Ru ̈ckfälle und bisweilen gar eine Ru ̈ckkehr ins fru ̈here Leben unvermeidlich sind. Laß Dich dadurch weder beirren noch entmutigen – alles braucht seine Zeit. Ins Reich Gottes geht man, wie Du weißt, mit Leiden, Kämpfen und großer Kraftanstrengung ein. Du hast im Evangelium gelesen, das Himmelreich sei einem Sauerteig gleich, das mit Mehl vermengt wird, bis es versäuert. So wird auch die Seele nicht augenblicklich vom neuen Sauerteig des Evangeliums durchsäuert. Manchmal läuft dieser Prozeß rasch ab, und bisweilen verlangsamt er sich: Du weißt schon, wovon ich spreche. Laß Dich deshalb nicht beirren, wenn Du keine Besserung feststellen kannst. Bemu ̈he Dich, nach den Geboten des Evangeliums zu leben, widerstehe jeder Su ̈nde in Taten, in Worten oder in Gedanken, und gib nicht freiwillig Deinen schlechten Neigungen nach.

Hast Du es dennoch getan, bereue es vor dem Herrn, bitte ihn um Vergebung und nimm den Kampf gleich wieder auf. Halte es so bis zum Tode. Denke daran, daß Du allein nicht gewinnen kannst - rufe bei jeder Versuchung unseren Herrn Jesus Christus um Hilfe an. Dann wird Dein guter Wille von Gottes Kraft unterstu ̈tzt werden, die jede Su ̈nde und jedes dämonische Wirken zunichte machen kann. Wenn es Dir gelingt, ein su ̈ndiges Verlangen zu u ̈berwinden, so schreibe dies nicht Dir, nicht Deiner Kraft zu, sondern dem Herrn, und danke ihm fu ̈r seinen Beistand. Schreibst Du es hingegen Dir zu, verfällst Du wieder der gleichen Su ̈nde.

Rufe öfters den Namen Gottes an. Du hast ungefähr begriffen, was gut und was böse ist - jetzt erwartet der Herr von Dir, daß Du Dich ihm und seinen heiligen Geboten anschließest und Dein Leben nach ihnen und nicht nach den Einflößungen der Dämonen oder nach Deiner gefallenen, su ̈ndigen Natur ausrichtest. Du bist frei in der Wahl: Der Herr beobachtet, wohin Dein Wille Dich fu ̈hrt. Das Erdenleben ist uns ja dafu ̈r gegeben, dass wir hier frei zwischen Gott und dem Teufel wählen.

! Friede sei mit Dir!

Und das ku ̈nftige Leben hängt deshalb vom irdischen ab.

Wer sein ganzes Leben der Su ̈nde frönt und dem Teufel dient, wird auch nach dem Tod in seiner Gesellschaft bleiben. Wer aber im Leben zu Gott strebt, geht, auch wenn er bisweilen gestu ̈rzt ist, nach dem Tod mit Gott in die ewige Glu ̈ckseligkeit ein.

Der Herr hat Dir Deine Krankheit nicht umsonst herabgesandt - nicht so sehr fu ̈r begangene Su ̈nden, obwohl Verderben preisgeben, sondern die ewigen Qualen abwenden. Habe doch

Du hast sie doch fru ̈her geliebt, und

vielleicht auch jetzt noch. Tut es Dir denn wirklich nicht leid, sie zu quälen? Bitte sie um Verzeihung, wenn Du sie kränkst, auf daß der

Herr auch Dir verzeihe. Wenn Du selbst mit Deinen Nächsten in Unfrieden lebst, wie wirst Du Dich mit Gott versöhnen können? Was immer Du auch tun magst:

Verzweifle nicht. Bete in einem klaren Augenblick zu Gott, und er wird Dir helfen und Dir verzeihen. Besinne Dich! Komm zu uns, hier kannst Du beichten, kommunizieren und geistliche Bu ̈cher lesen Ich bin ein su ̈ndiger Mensch und bemitleide Dich aus ganzem Herzen. Der Herr aber bemitleidet jeden Su ̈nder tausendmal mehr und wartet nur auf dessen Umkehr, um ihm alle Su ̈nden und Abscheulichkeiten zu vergeben und ihn zu erlösen. Wende Dich im Gebet zum Herrn, bereue Deine Su ̈nden und meide schlechte Menschen. Hör auf zu trinken, richte Dich nicht zugrunde.

Mitleid mit Dir und mit

Wendest Du Dich nicht in Reue und Demut zum Herrn, erwartet Dich noch hienieden großes Leid und nach dem Tod Heulen und Zähneknirschen, der unersättliche Wurm und das unauslöschliche Höllenfeuer; eine ewige, schaurige und unvorstellbare Qual.

So schwer es auch sei, alles Irdische nimmt ein Ende. Nach dem Tod aber bricht die Ewigkeit an, die Ewigkeit in unsäglicher Glu ̈ckseligkeit oder in grauenhafter Qual.

Die Entscheidung liegt in unseren Händen. Der Herr wu ̈nscht allen Menschen das ewige Glu ̈ck, aber er zwingt niemanden dazu. Wenn Du nicht mit ihm im Licht und in der Freude sein willst, kommst Du zum Teufel in die ewige Finsternis und Qual.

Alles, was ich Dir hier geschrieben habe, ist die unzweifelhafte Wahrheit. Hab Mitleid mit Dir und sei barmherzig zu Dir.

http://www.scribd.com/doc/27159986/Briefe-Eines-Russischen-Starzen-an-

Seine-Geistlichen-Kinder