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DCTB–Themenblätter: Bibel-, Ethik- und Zeitfragen


Themenblatt 12

Christen und der Dialog


der Weltreligionen
Armin Bachor

Immer wieder finden weltweit Veranstaltungen gionen ohne Dialog zwischen den Religionen.
statt, bei denen Vertreter der verschiedenen Kein Dialog zwischen den Religionen ohne
Weltreligionen (Stammesreligionen, Hinduis- globale ethische Maßstäbe. Kein Überleben
mus, Chinesische Religion, Buddhismus, Juden- unseres Globus ohne ein globales Ethos, ein
tum, Christentum und Islam) miteinander reden. Weltethos“.1
Ihr Ziel ist, die Toleranz aller Religionen voran- Nach Küng´s Vorstellung sollen die ethi-
zutreiben. Man möchte eine weltumspannende schen Grundlagen aller Religionen einen Kata-
religiöse Einheit in versöhnter Verschiedenheit log von Verhaltensregeln hergeben, nach de-
darstellen. Dafür steht der Begriff Pluralitäts- nen sich alle Menschen dieser Welt richten
Synkretismus. Diesem Dialog der Weltreligio- sollen. Die Ausgangslage dieses Projektes ist
nen liegt das esoterische Dogma zugrunde, dass die Annahme, dass der Wesenskern aller Reli-
alle Religionen aus einer Quelle stammen und gionen gleich ist, weil sie die gleiche Wurzel
deshalb auch nur ein gemeinsames Ziel haben. haben. Damit sind auch alle Religionen
Die Frage nach einer allgemeingültigen Wahr- gleichwertig, haben gleiche ethische Maßstäbe
heit stellt sich nicht. Wahrheit ist nicht der Aus- und dieselben Ziele. So müssen schließlich
gangspunkt und auch nicht ein festzulegendes alle Menschen jede Religion als richtig und
Ziel. Die Wahrheit im Dialog zu erfahren bleibt gut anerkennen. Das nennt man dann die Tole-
ein andauerndes Unternehmen nach dem Motto: ranz aller Religionen. Wenn damit aber das
„Der Weg ist das Ziel.“ Recht und die Möglichkeit der Konversion,
das heißt des Religionswechsels, als intolerant
verurteilt und praktisch verhindert wird, be-
„Projekt Weltethos“ kommt das ganze Unternehmen einen intole-
ranten Wesenszug. Küng´s Weltethos ist in der
Genau das ist auch die geistige Grundlage des Tat, wie der Theologe Klaus Berger in der
Projekt „Weltethos“. Es wurde von dem deut- Deutschen Tagespost bemerkt, „strukturell
schen katholischen Theologen Hans Küng initi- autoritär konzipiert. Er spricht da von der ‘ab-
iert und wird derzeit vom Weltparlament der soluten Autorität‘, mit der die ‚Leiter und Leh-
Religionen in Verbund mit den Vereinten Na- rer‘ der Religionen im Bedarfsfall ‚mit allen
tionen vorangetrieben. Der Grundgedanke die- Mitteln’ auf Menschen einwirken sollen“.2 Das
ses politisch-religiösen Projektes ist: „Kein aber ist Zwang. Diese Idee einer dachorgani-
Weltfriede ohne Religionsfriede. Deshalb: Kein sierten Uniformierung geht vom Weltparla-
Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter
1
den Religionen. Kein Frieden unter den Reli- Hans Küng, Spurensuche (München: Piper, 1999), S. 267.
2
Diakrisis, Nr. 3, 1996: 164.

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ment der Religionen aus, das die Freiheit ein- 1. Kenne ich die andere Religion?
zelner stark einschränkt. Politisch gesehen kann Bevor ich die Glaubenspraxis einer anderen
aber Frieden nur dort wachsen, wo echte Frei- Religion verstehen und nachvollziehen kann,
heit gewährt wird. muss ich mich zunächst gedanklich, zum Bei-
Es kann trotz Kulturaustausch keine Ein- spiel durch Literatur, mit den lehrmäßigen
heitskultur geben, die Frieden unter den Men- Grundlagen dieser Religion auseinander set-
schen schafft. So wird es auch trotz Religions- zen.
dialog, kein Weltethos und damit auch keine
wirkliche Toleranz aller Religion geben, die zu
2. Kenne ich meine Bibel?
einem friedlichen Miteinander der Menschen
führt. So wertvoll auch alle politischen Bestre- Um in einen Dialog, das heißt. ein Wechselge-
bungen nach Frieden sind, ein Dialog der Reli- spräch, mit einem Menschen einer anderen
gionen, der wirklich zum Frieden führen könnte, Religion einzutreten, ist es notwendig, das
muss immer von der Basis ausgehen. Dort wo Wesen und den Charakter der Religion, die ich
Menschen als Nachbarn zusammenleben, kann im Gespräch vertrete, genau zu kennen. Dabei
und sollte sich jeder Mensch selber entscheiden ist mir schon jetzt gedanklich klar: beim
können, welche Religion er annehmen und le- christlichen Glauben handelt es sich eigentlich
ben will. Das beinhaltet nachdrücklich auch das nicht um eine der großen Weltreligionen, son-
Recht zum Religionswechsel. dern um den persönlichen Glauben an Jesus
Dass sich an diesem Projekt „Welt-ethos“ Christus, den Schöpfer, Erlöser und Herrn die-
auch christliche Kirchen beteiligen, ist die prakti- ser Welt, der mir in der biblischen Offenba-
sche Auswirkung der Esoterikwelle in Theologie rung entgegen tritt. Ich muss also exakt wis-
und Kirche, die zu gravierenden theologischen sen, was ich als Christ glaube. Bibelkenntnis
Umdeutungen des biblischen Glaubens geführt ist hier gefragt. Neben diesem Grundwissen
haben.3 So verwundert auch nicht, dass Hans rede ich als Christ als persönlich betroffener
Küng in seinen theologischen Grundeinsichten und engagierter „Vertreter meiner Religion“,
die Heilsfrage nicht als identisch mit der Wahr- denn der Glaube ist immer auch an eine sub-
heitsfrage ansieht, Gott als innerweltliches Prin- jektive Erfahrung gebunden. Gerade die per-
zip versteht, die Trinitätslehre als spekulativ be- sönliche Überzeugung ist das Kennzeichen,
zeichnet ablehnt und die reale Auferstehung Jesu das mich erst zu einem „religiösen“ Menschen
in ein geistiges Erlebnis der ersten Christen um- und damit zu einem qualifizierten „Vertreter
deutet.4 meiner Religion“ macht.

3. Habe ich Respekt?


Leitlinien In einem Dialog muss ich die Bereitschaft
mitbringen, mich auf den Gesprächspartner
Was für eine Alternative gibt es zu diesem eso- einzulassen. Das heißt: ich höre ihm genau zu,
terisch-synkretistischen Unternehmen des „Dia- versuche seine Gedanken nachzuvollziehen
log der Weltreligionen“? Wie begegnen wir und frage nach, wenn ich etwas nicht genau
Menschen aus einer anderen Religion? Wie verstehe und respektiere ihn in seinen An-
sprechen wir mit ihnen über unseren Glauben? schauungen.
Die folgenden fünf Prinzipien können als Leitli-
nie für ein Gespräch mit Menschen aus anderen 4. Bin ich tolerant?
Religionen dienen:
In einem Dialog ist Toleranz gefragt. Echte
Toleranz hat einen klaren Standpunkt. Auf
dieser Basis wird der religiös Andersdenkende
3
Werner Thiede, Esoterik-die postreligiöse Dauerwelle respektiert. Das heißt allerdings nicht, dass ich
(Neukirchen-Vluyn: Friedrich Bahn, 1995), S. 124ff.
4 den Standpunkt des anderen für gut heißen
Hans Küng, Spurensuch, S. 235f; 308.
oder sogar selber übernehmen muss. Dieser

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modernistische Toleranzglauben westlicher Prä- che, aufgeben.“67


gung erkennt nicht, dass die Vertreter anderer Daher sollten auch wir als Vertreter des
Religionen die Dialogveranstaltungen als Wer- christlichen Glaubens ganz unbefangen und
beplattform für ihre Religion nutzen. Ohne Tole- ohne Furcht davon reden, dass „in keinem an-
ranz würden wir selber standpunktlos und da- deren die Errettung ist und auch in keinem
durch konturenlos und unglaubwürdig. Siegfried anderen Namen außer Jesus Christus Heil ist“
Kettling bemerkt dazu: „Tolerante Mission“ hat (Apostelgeschichte 4, 12). Die Grundlage für
nichts zu tun mit dem pluralistischen Dialog- unser missionarisches Zeugnis ist diese abso-
Prinzip – das würde Toleranzinflation verbunden lute und exklusive Wahrheit.
mit Wahrheitsschwindsucht bedeuten.“55

5. Bin ich bereit zum Zeugnis? Martyrium


Als engagierter Vertreter meines Glaubens ist
Das Römische Reich des ersten bis vierten
mein Gesprächsbeitrag ein Zeugnis eines Über-
Jahrhunderts n. Chr. war multikulturell und
zeugten, das überzeugen will. Das ist im eigent-
multireligiös. Es zeigte sich zunächst auch
lichen Sinn Mission. Missionarisch ist jemand,
tolerant, wenn man seine Überzeugungen nicht
der überzeugt ist, dass ihm sein Glaube hilft,
absolut setzte, sondern die Wahrheiten des
Lebens- und Daseinsfragen zu bewältigen. Die-
anderen stehen ließ. Später fand das ethisch
se Lebenshilfe gebe ich als Einladung weiter.
und wirtschaftlich zerfallende Reich seine
Das hat überhaupt nichts mit Zwang oder Ge-
behelfsmäßig zusammenhaltende Klammer in
walt zu tun. Im Gegenteil: mein Zeugnis kann
dem erstarkenden und intoleranten Kaiserkult.
eher dahin führen, dass ich mit Ablehnung und
Der Römische Kaiser ließ sich als Gott vereh-
Feindschaft rechnen muss. So leitet sich auch
ren, der der Welt Heil und Rettung versprach.
das Wort „Zeugnis“ vom neutestamentlichen
Im diesem religiösen Umfeld haben bereits die
Wort für „Martyrium“ ab. Mission ist also rich-
ersten Christen ihren Glauben mit grenzen-
tig verstanden, ein einladendes Zeugnis eines
überschreitender Liebe und konsequenten Ein-
Überzeugten, das überzeugen will. Aber Missi-
satz ihres Lebens bezeugt (Martyrium).
on ist niemals ohne persönliches Risiko.
Auch heute bleibt der durch uns Christen
Dieses missionarische Bewusstsein hat natür-
bezeugte und vorgelebte universale Liebesan-
lich etwas mit der Wahrheitsfrage zu tun.
spruch Gottes, dass „in keinem anderen die
Vertreter des Buddhismus machen beispiels-
Errettung ist und auch in keinem anderen Na-
weise keinen Hehl daraus, dass ihre Religion
men außer Jesus Christus Heil ist“ eine heraus-
einen universalen Anspruch erhebt. Der katholi-
fordernde und riskante Lebensentscheidung
sche Religionswissenschaftler Hans Waldenfels
bemerkt dazu, „dass es keine Religion ohne of-
fenen oder verborgenen Absolutheitsanspruch
gibt.“6 Und auch Michael von Brück, ein enga-
gierter Vertreter des Dialoges zwischen dem
Buddhismus und dem Christentum bekennt sich
im sog. „Tübinger Dialoggespräch“ zu folgen-
der Auffassung von „Wahrheit“: „Wenn wir
nicht von der Wahrheit ergriffen sind und dann © Deutscher Christlicher Techniker-Bund
auch für die Wahrheit zu streiten bereit sind, e.V., Korntal 2003
können wir unsere Religionen, ganz egal wel-
Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit
Genehmigung des DCTB
6
Hans Waldenfels, Begegnungen der Religionen. Theolo-
5
Siegfried Kettling, Toleranz und Wahrheit, wie Hund gische Versuche I; zitiert in: Werner Thiede, Esoterik-die
und Katze? (Wuppertal: Brockhaus, 1981), S. 60. postreligiöse Dauerwelle, S.148.

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